USA: Starker Missbrauch von Benzodiazepinen

USA: Starker Missbrauch von Benzodiazepinen

Benzodiazepine: Missbrauch in USA nimmt zu (Foto: pixelio.de, Verena Münch)

Vor allem immer mehr junge Menschen konsumieren verschreibungspflichtige Medikamente

Ann Arbor – Rund einer von acht erwachsenen US-Amerikanern (12,6 Prozent) hat im vergangenen Jahr Benzodiazepine eingenommen. Auf den Missbrauch dieser verschreibungspflichtigen Medikamente entfielen laut einer Studie unter der Leitung der University of Michigan  mehr als 17 Prozent der Gesamtmenge.

Daten von 2015 und 2016

Als Missbrauch wurde von den Forschern eine Einnahme definiert, die nicht von einem Arzt verschrieben wurde. Dazu gehörte die Einnahme ohne Rezept oder länger als vorgeschrieben. Am stärksten betroffen waren mit 5,6 Prozent junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren. Dieser Altersgruppe wurden die Medikamente auch am häufigsten verschrieben.

Bei Benzodiazepinen handelt es sich um Medikamente, die gegen Angstzustände und Schlaflosigkeit verschrieben werden. Dazu gehören die Wirkstoffe Alprazolam, Diazepam, Clonazepam, Lorazepam und andere. Für die Studie haben die Forscher die Daten der National Survey on Drug Use and Health für die Jahre 2015 und 2016 ausgewertet.

Gefährliche Abhängigkeiten

Obwohl frühere Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen waren, zeigte sich, dass 2013 und 2014 vier bis sechs Prozent der Erwachsenen Benzodiazepine eingenommen hatten. Frühere landesweite Schätzungen hatten den Missbrauch nicht berücksichtigt. Zusätzlich dazu, dass der Gesamtverbrauch zugenommen hat, handelt es sich laut den Forschern bei der aktuellen Studie um die erste Analyse, die ergab, dass der höchste Verbrauch mit 13 Prozent in der Altersgruppe von 50 bis 64 Jahren stattfindet.

Frühere Studien haben den höchsten Verbrauch bei Personen über 65 Jahren ermittelt. Frauen gaben eher als Männer an, diese Medikamente einzunehmen. Männer hingegen berichteten eher als Frauen von einem Missbrauch. Der Einsatz von Benzodiazepinen wird in letzter Zeit einer stärkeren Überprüfung unterzogen. Verantwortlich dafür sind die mit einer Einnahme verbundenen Schäden und das Vorhandensein von sichereren Alternativen vor allem im Angesicht der Opioid-Epidemie.

Das Team um Forschungsleiter Donovan Maust konnte auch nachweisen, dass der Missbrauch von Benzodiazepinen in engem Zusammenhang mit dem Missbrauch oder der Abhängigkeit von verschreibungspflichtigen Opioiden oder Stimulanzien stand. Als Gründe gab fast die Hälfte an, dass sie mit diesen Medikamenten entspannen wollten. Etwas mehr als ein Viertel setzte die Benzodiazepine als Schlafmittel ein. Bei der Einnahme ohne Rezept stammten die Medikamente am häufigsten von Freunden oder Verwandten. Die Forschungsergebnisse wurden in “Psychiatric Services” veröffentlicht.

Quelle: pressetext.com