Statinunverträglichkeit wird oft überschätzt

Statine

Statine: Medikamente sind in vielen Fällen besser als ihr Ruf (Foto: guvo59, pixabay.com)

Über vier Mio. Patienten untersucht – Tatsächlicher Wert bei weniger als zehn Prozent Betroffenen

Lodz – Nicht weniger als einer von zwei Patienten beendet die Einnahme von Statinen, verringert die Dosis oder nimmt die Medikamente unregelmäßig ein, da die Betroffenen glauben, dass die Cholesterinsenker Muskelschmerzen und andere Nebenwirkungen verursachen. Laut einer Studie mit über vier Mio. Patienten liegt die tatsächliche Verbreitung der Statinunverträglichkeit weltweit zwischen sechs bis zehn Prozent. Die Erhebung wurde unter der Leitung von Maciej Banach von der Medizinischen Universität Lodz  und der Universität Zielona Góra  im Auftrag der Lipid and Blood Pressure Meta-Analysis Collaboration und dem International Lipid Expert Panel (ILEP)  durchgeführt.

Problem Überdiagnostizierung

Den Studienautoren zufolge belegen die im “European Heart Journal” veröffentlichten Ergebnisse, dass die Statinunverträglichkeit überschätzt und überdiagnostiziert wird. In der Folge bestehe für die Patienten aufgrund der hohen Cholesterinwerte ein höheres Risiko von Problemen mit dem Herzen und den Blutgefäßen oder sogar Todesfällen. Es gebe starke und eindeutige Beweise dafür, dass die Behandlung mit Statinen einen signifikanten Unterschied bei der Verhinderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und möglichen Todesfällen spielt. Statine gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Bisher war unklar, welcher Anteil der Patienten tatsächlich an einer Unverträglichkeit litt. Verschiedenste Datenquellen gingen von einer Bandbreite zwischen fünf und 50 Prozent an Betroffenen aus.

Die Forscher haben jetzt eine Meta-Analyse von 176 Studien mit 4.143.517 Patienten weltweit durchgeführt. Ziel war es, die Gesamtprävalenz der Statinunverträglichkeit und das Auftreten nach verschiedenen diagnostischen Kriterien festzustellen. Zusätzlich sollte herausgefunden werden, welche Faktoren das Risiko einer Unverträglichkeit erhöhen. Es zeigte sich, dass die tatsächliche Gesamtprävalenz bei 9,1 Prozent liegt. Wurden die diagnostischen Kriterien der National Lipid Association, von ILEP und der European Atherosclerosis Society angewendet, lagen die Werte respektive mit sieben Prozent, 6,7 Prozent und 5,9 Prozent noch niedriger.

Therapien sind großteils wirksam

Banach überraschen die Ergebnisse nicht. Sie zeigten, dass die Statinunverträglichkeit in den meisten Fällen überschätzt und überdiagostiziert werde. Sie bedeuteten, dass rund 93 Prozent der Patienten wirksam, mit einer guten Verträglichkeit und ohne Probleme mit der Sicherheit mit Statinen behandelt werden können. “Unsere Studienergebnisse bedeuten, dass die Symptome der Patienten sehr sorgfältig dahingehend zu bewerten sind, ob sie tatsächlich von den Statinen verursacht werden und ob nicht die Wahrnehmung der Patienten, dass diese Medikamente schädlich sind – der sogenannte Nocebo-Effekt oder Drucebo-Effekt – für mehr als 50 Prozent aller Symptome verantwortlich sein könnte.”

Der Studie zufolge leiden vor allem ältere, weibliche, Schwarze und Asiaten, fettleibige Personen sowie Patienten mit Diabetes, einer Schilddrüsenunterfunktion und chronischem Leber- oder Nierenversagen eher an einer Statinunverträglichkeit. Zusätzlich standen Medikamente zur Kontrolle eines unregelmäßigen Herzschlags, Kalziumkanalblocker, die häufig für Brustschmerzen und hohen Blutdruck verschrieben werden, Alkoholkonsum und höhere Dosierungen der Statine mit einem höheren Risiko einer Statinunverträglichkeit in Zusammenhang. Das erhöhte Risiko reichte von 22 Prozent bei einem hohen Alkoholkonsum bis zu 48 Prozent bei Frauen.

Quelle: pressetext.com