Liposome schmuggeln Medikamente ins Gehirn

Laborarbeit

Laborarbeit an der Universität Kopenhagen (Foto: Universität Kopenhagen)

Dänische Forscher vergleichen ihre Entwicklung mit Trojanischem Pferd

Kopenhagen – Die Blut-Hirn-Schranke, eine Barriere, die 99 Prozent aller Moleküle zurückhält, damit die Funktion des Gehirns nicht beeinträchtigt wird, erweist sich in manchen Fällen als ernstes und oft tödliches Hindernis. Sie versperrt bei Erkrankungen des Gehirns, wie etwa Alzheimer, Parkinson oder Multipler Sklerose hilfreichen Medikamenten den Weg. Forscher an der medizinischen Fakultät der Universität Kopenhagen, der Dänischen Technischen Universität  und der Universität Aalborg  haben gewissermaßen ein Trojanisches Pferd entwickelt, das diese Barriere überwinden kann.

Im “Frachtraum” transportiert es statt griechischer Soldaten, die später Troja einnehmen sollten, Medikamente, die im Gehirn freigesetzt werden. Bei diesen Transporteuren handelt es sich um Liposomen, das sind 50 bis 1000 Nanometer große Bläschen, die bereits heute zum Transport von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitaminen genutzt werden.

Fluoreszierende Marker weisen den Weg

Dass sie auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden können und unter welchen Bedingungen sie das tun, war bisher fraglich. Die dänischen Forscher arbeiteten zunächst mit Placebos, die sie an Mäusen testeten. Sie statteten die winzigen Bläschen mit fluoreszierenden Markern aus, um ihren Weg ins Gehirn verfolgen zu können. Das gelang ihnen mit dem Zwei-Photonen-Fluoreszenzmikroskop, das eine wichtige Rolle in biomedizinischen Forschungslaboren spielt. Mit dieser Technik lassen sich Liposome vergleichsweise tief im lebenden Gewebe und über längere Zeitspannen hinweg beobachten. Die markierten Nanoteilchen werden dabei von einem Laserstrahl angeregt, sodass sie fluoreszieren.

Verfahren muss optimiert werden

“Mit unserer Arbeit liefern wir einen direkten Beweis für den Eintritt von Nanopartikeln ins Gehirn und beschreiben, warum, wann und wo es passiert”, sagt Assistenzprofessor Krzysztof Kucharz vom Institut für Neurowissenschaften der Universität in der dänischen Hauptstadt. Mit der jetzt angewandten Technik lasse die Blut-Hirn-Schranke jedoch noch viel zu wenig Nanoteilchen passieren. Die Menge an Medikamenten, die so ins Gehirn gelangen könne, sei medizinisch noch irrelevant. Die künftige Forschung müsse sich darauf konzentrieren, die Liposome so zu gestalten, dass sie in großen Mengen ins Gehirn vordringen können.

Quelle: pressetext.com