Leukämie: Kombitherapie vielversprechend

Blutproben

Blutproben: Bessere Ergebnisse erhofft (Foto: pixabay.com, Ahmad Ardity)

Forscher der Universität Basel zuversichtlich – Erste Tests mit Patienten werden durchgeführt

Basel – Bei chronischen Leukämien mildert das Blockieren der überaktiven Kinase JAK2 durch einen gezielten Therapieansatz zwar die Symptome. Der Verlauf der Krankheit bleibt oft jedoch gleich. Laut einer Studie der Universität Basel  lässt sich die therapeutische Wirkung durch die zusätzliche Blockierung eines spezifischen Signalwegs verbessern. Details wurden in “Leukemia” veröffentlicht.

Blockierung als Schlüssel

Bei myeloproliferativen Neoplasien, einer Art chronischer Leukämie, produziert der Körper laufend zu viele Blutzellen wie Erythrozyten, Blutplättchen und Granulozyten. Das kann zur Thrombose, einer vergrößerten Milz und konstitutionellen Symptomen wie Gewichtsverlust, Knochenschmerzen und Erschöpfung führen. Von dieser Krankheit ist pro Jahr rund einer von 100.000 Erwachsenen betroffen. Im schlimmsten Fall droht eine akute Leukämie mit einer kurzen Lebenserwartung.

Die Krankheit wird durch Mutationen ausgelöst, die die Tyrosinkinase JAK2 permanent aktiv hält und nicht nur dann aktiviert wird, wenn sie auch benötigt wird. So erhält das Knochenmark laufend Signale, neue Blutzellen zu produzieren. Seit rund zehn Jahren kommen Inhibitoren zum Einsatz, die die Aktivität von JAK2 einschränken. Laut Forschungsleiterin Sara Christina Meyer haben sich die Erwartungen in diese Therapie nicht vollständig erfüllt. Die Symptome bessern sich zwar, der Anteil der Leukämiezellen im Blut bleibt jedoch hoch. Auch sprechen viele Patienten nach einigen Jahren nicht mehr auf die Behandlung an.

MAPK-Signalweg im Visier

Das Team konzentriert sich auf den MAPK-Signalweg, der bei der Entstehung mehrerer Krebserkrankungen eine Rolle spielt, und von JAK2 bei myeloproliferativen Neoplasien kontrolliert wird. Die Forscher haben bereits in früheren Studien herausgefunden, dass dieser Signalweg trotz der JAK2-Blockierung aktiv bleibt und weiter die Blutbildung anregt. Das Team hat neben JAK2 auch ERK1/2 deaktiviert. Das ist ein wichtiger Bestandteil des MAPK-Signalwegs. Die zu testen, ob die Doppelblockierung nutzt, haben die Forscher drei verschiedene Testsysteme eingesetzt – und zwar etablierte Zellkulturen für Leukämie, Mausmodelle für myeloische Leukämie und Blut- sowie Knochenmarkproben von Patienten.

Um ERK1/2 zu deaktivieren, wurden Inhibitoren verwendet, die ERK1/2 spezifisch blockieren. Eines der Präparate und ein zugelassenes Medikament wurden von Novartis zur Verfügung gestellt. Bei den Mausmodellen deaktivierten die Forscher auch die Gene für ERK1/2. Bei allen drei Versuchsansätzen verbesserte sich die Wirksamkeit der Blockierung von JAK2 in Kombination mit dem Abzielen auf ERK1/2. Es konnte eine Verringerung der Produktion von Blutzellen und beim Mausmodell eine Verkleinerung der Milz nachgewiesen werden.

Die kombinierte Behandlung reduzierte zudem den Anteil der Leukämiezellen in Blut und Knochenmark. Das ist bei JAK2-Inhibitoren allein kaum der Fall. Es sei sogar denkbar, dass sich der Verlauf der Krankheit so langfristig beeinflussen lässt. Derzeit wird dieser Behandlungsansatz bereits an einer kleinen Zahl von Patienten getestet. Meyer erwartet die ersten Ergebnisse in einigen Monaten. “Mir geht es darum, etwas zu finden, das nicht nur im Labor funktioniert, sondern den Betroffenen wirklich helfen kann.”

Quelle: pressetext.com