Ketamin und Therapie gegen Alko-Rückfall

Alkohol

Alkohol: Kombinationsbehandlung wirkt gegen Rückfälle (Foto: pixabay.com/Pexels)

Phase-II-Studie von Wissenschaftlern der University of Exeter belegt Abstinenz von 87 Prozent

Exeter – Personen mit einer schweren Alkoholstörung bleiben länger trocken, wenn sie mit einer niedrigen Dosis Ketamin in Kombination mit einer psychologischen Therapie behandelt werden. Das zeigt eine Studie unter der Leitung der University of Exeter. Die Phase-II-Studie ist die erste ihrer Art. Die Firma AWAKN Life Sciences  hat die Therapie für den Einsatz in ihren Kliniken und Kooperationen lizensiert.

Weniger Alkoholiker

Die Studie ist aus vorläufigen Forschungsergebnissen hervorgegangen. Danach konnte die Ketamintherapie die Zahl der Alkoholiker verringern, die wieder rückfällig werden. Derzeit gibt es für schweren Alkoholismus nur wenige wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Die im “American Journal of Psychiatry” veröffentlichte Studie umfasste 96 Personen mit Alkoholproblemen, die während der Laufzeit abstinent waren.

Laut den Fachleuten blieben jene, die Ketamin in Kombination mit einer Therapie erhielten, 162 der 180 Tage des sechsmonatigen Nachbeobachtungszeitraums vollständig nüchtern. Das entspricht einer Abstinenz von 87 Prozent. Dieser Wert war deutlich höher als in jeder anderen Gruppe. Das weist darauf hin, dass die Therapie bei der Verhinderung eines Rückfalls ebenfalls vielversprechend sein dürfte. Diese Gruppe blieb am Ende der Studie zwei Mal so wahrscheinlich vollständig abstinent wie die Teilnehmer, die ein Blindpräparat erhielten.

Bessere Leberfunktion

Den Forschern nach könnte Ketamin in Kombination mit einer Therapie jedes Trinken über einen Zeitraum von sechs Monaten verhindern. Diese Ergebnisse waren aber weniger eindeutig. “Ketamin-Patienten” verfügten nach drei Monaten über weniger Depressionen und eine bessere Leberfunktion als jene, die nur ein Blindpräparat bekamen. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Einnahme des Medikaments mit einer Therapie kombiniert worden war oder nicht.

Vor der Studie tranken die Teilnehmer täglich. Ihr Konsum entsprach rund 50 Pints starkem Bier pro Woche. Ein Pint ist etwas mehr als ein halber Liter. Die Teilnehmer, die Ketamin erhielten und eine Therapie machten, tranken durchschnittlich nur an fünf Tagen der sechsmonatigen Laufzeit mehr als die empfohlenen Richtlinien. Das bedeutet eine Verringerung des Sterberisikos durch mit dem Alkohol in Verbindung stehende Probleme von eins von acht auf eins zu 80.

Laut Forschungsleiterin Celia Morgan hat sich die Zahl der Todesfälle in dem Bereich seit dem Beginn der Pandemie verdoppelt. Die Bedenken eines Einsatzes von Ketamin bei Alkoholikern aufgrund von Leberproblemen hätten sich nicht bestätigt. Vielmehr verbesserte sich die Leberfunktion in der Ketamin-Gruppe, da die Teilnehmer viel weniger Alkohol tranken. Nun sei eine größere Untersuchung nötig, um diese Ergebnisse zu bestätigen. Von einem Einsatz von Ketamin außerhalb eines klinischen Kontexts raten die Wissenschaftler jedoch ab.

Quelle: pressetext.com