DKG fordert ambulantes Budget für die Krankenhäuser

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert einen regelhaften Zugang zur ambulanten Versorgung. Und: Vor eine Strukturreform will sie eine „Zukunftskommission“ setzen.

Berlin. Einen Umbau der Krankenhauslandschaft streben alle fünf Parteien an, die für die nächste Regierungskoalition infrage kommen. Am Montag hat sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zu Wort gemeldet. „Die Reformschritte müssten klug abgestimmt werden“, mahnte DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß an. Eine Insolvenzwelle unter Krankenhäusern im Vorfeld einer Strukturreform müsse vermieden werden.

Die Krankenhäuser wollen daher ihre Stellung in der ambulanten Versorgung ausbauen. „Die neue Bundesregierung müsse ein neues Kapitel in der sektorenübergreifenden Versorgung aufschlagen. „Wichtig ist, dass die ambulanten Fähigkeiten der Krankenhäuser im Interesse der Patienten vollständig genutzt werden“, sagte der DKG-Chef. Dafür müssten die ambulanten Potenziale der Kliniken identifiziert und gehoben werden, sagte Gaß mit Blick auf die zunehmende Zahl an Kurzliegern.

Gaß: Wollen keine Anteile von KVen

In die Budgets der einzelnen Krankenhäuser solle jeweils ein „sektorübergreifender Haus-Budgetanteil“ eingezogen werden, aus dem ambulante Leistungen perspektivisch nach dem EBM finanziert werden. Niedergelassenen Ärzten wolle man damit keine Patienten streitig machen, auch an die Finanzierungstöpfe des ambulanten Sektors wolle man nicht heran.

Tatsache sei aber, dass die Krankenhäuser in ländlichen und strukturschwachen Regionen zunehmend die Aufgaben der ambulanten Regelversorgung übernähmen. Zwischen 2009 und 2019 sei die niedergelassen ärztliche Tätigkeit im hausärztlichen Bereich um 16 Prozent und im fachärztlichen um 20 Prozent zurückgegangen, rechnet die DKG vor.

Erst Finanzspritze, dann Reformprozess

Zunächst solle die Krankenhausversorgung kurzfristig stabilisiert werden, um einen nachhaltigen Reformprozess im stationären Sektor nicht zu gefährden, sagten die Vertreter der Krankenhaus-Lobby. Dies erfordere eine „aktive Politik und keinen kalten Strukturwandel“, wandte sich Gaß an eine künftige Bundesregierung.

Die Finanzierung, eine Neuorganisation der Notfallversorgung, ein Budget für sektorenübergreifende Versorgung und die zügige Umsetzung der Pflegepersonal-Regelung (PPR 2.0) müssten nach einer Regierungsbildung ganz oben auf die Agenda der Gesundheitspolitik. Dies erfordere die sofortige Einsetzung einer Bund-Länder-Zukunftskommission. Die sei stärker demokratisch legitimiert als der Gemeinsame Bundesausschuss.

Hintergrund der Forderungen sind Ergebnisse des aktuellen Krankenhaus-Rating-Reports, ausweislich derer rund 250 Krankenhäuser bereits im kommenden Jahr vor der Zahlungsunfähigkeit stehen könnten. Es dürfe nicht sein, dass Krankenhäuser aus wirtschaftlicher Not bereits vor einer echten Strukturreform schließen müssten, ergänzte DKG-Präsident Ingo Morell.

Quelle: Ärzte Zeitung