Depression reduziert Astrozyten im Gehirn

Schwerpunkt Gehirn

Schwerpunkt Gehirn: Depression reduziert Astrozyten (Bild: pixabay.com, VSRao)

Wissenschaftliche Studie aus Kanada findet möglichen neuen Ansatz für Antidepressiva

Montreal – Forscher der McGill University  haben bei Erwachsenen mit Depressionen, die durch Suizid starben sowie psychisch nicht erkrankten Personen, die plötzlich aufgrund anderer Ursachen verschieden, Unterschiede bei der zellulären Zusammensetzung des Gehirns festgestellt. Laut Forschungsleiter Naguib Mechawar lässt sich bei Patienten mit Depressionen in vielen Hirnbereichen eine verringerte Zahl von Astrozyten feststellen. Diese sternförmigen Zellen sind wichtig, da sie die optimale Funktion der Neuronen unterstützen.

Frühere Annahmen bestätigt

“Unsere Studienergebnisse bestätigen und erweitern frühere Untersuchungen zur Rolle der Astrozyten bei der Pathologie der Depression”, so Mechawar. Mit Genehmigung des Research Ethics Board haben die Experten eine postmortale Analyse genutzt, um der Theorie, dass Astrozyten bei Depressionen eine Rolle spielen, Gewicht zu verleihen.

“Wir haben die Astrozyten im Gehirn analysiert, indem wir bestimmte Proteine eingefärbt haben, die in ihrer Struktur zu finden sind. Dabei handelte es sich um Vimentin und GFAP. Das Einfärben von Vimentin wurde bisher in diesem Kontext nicht eingesetzt. Es liefert aber eine klare, vollständige und noch nie dagewesene Ansicht der gesamten mikroskopischen Struktur dieser Zellen”, erklärt Mechawars Kollege Liam O’Leary.

Zusammensetzung entscheidend

Mithilfe eines Mikroskops wurde die Anzahl der Astrozyten in Querschnitten des Gehirns gezählt. Dies ermöglichte Schätzungen, wie viele es in den einzelnen Bereichen sein könnten. “Wir haben auch die 3D-Struktur von mehr als 300 individuellen Astrozyten auf etwaige Unterschiede hin untersucht”, heißt es in der Studie. Die postmortale Analyse hat zudem ergeben, dass bei einer Depression zwar die Zahl der Astrozyten unterschiedlich ist. Sie verfügen jedoch über eine ähnliche Struktur wie jene von psychiatrisch gesunden Menschen.

“Diese Studie liefert Hinweise darauf, dass Depressionen mit der zellulären Zusammensetzung des Gehirns in Verbindung stehen könnten”, unterstreicht Mechawar. Dies seien vielversprechende Nachrichten, da das erwachsene menschliche Gehirn, anders als bei Neuronen, laufend viele neue Astrozyten bildet. Laut Mechawar könnte das Finden von Möglichkeiten der Stärkung dieser natürlichen Gehirnfunktion die Symptome bei depressiven Menschen verbessern.

O’Leary zufolge liefert die neue Studie eine solide Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten, die gegen den offensichtlichen Verlust von Astrozyten wirken. Bisher wurden keine Antidepressiva entwickelt, die direkt auf diese Zellen abzielen. Die führende Theorie für die rasche antidepressive Wirkung von Ketamin geht von einer Korrektur der Anomalie der Astrozyten aus. Weitere Studien sollen einige Beschränkungen der aktuellen Studie beheben. Dazu gehört, dass die Analyse ausschließlich mit Proben von männlichen Patienten durchgeführt wurde. Details wurden in “Frontiers in Psychiatry” veröffentlicht.

Quelle: pressetext.com