100.000 Euro Schmerzensgeld bei grob fahrlässiger Nichterkennung einer Krebserkrankung

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat entschieden, dass einem Hautarzt, der aufgrund eines groben Behandlungsfehlers die Hautkrebserkrankung eines Patienten nicht rechtzeitig erkennt, eine bis zum Tod führende Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten zugerechnet werden kann. In diesem Fall sei ein Schmerzensgeld von 100.000 Euro gerechtfertigt. Die 1954 geborene Patientin suchte den Hautarzt nach einer Stoßverletzung eines Zehennagels auf. Jener zog ein Hämatom in Betracht und veranlasste die histologische Untersuchung einer Nagelprobe. Eine weitere dermatologische Behandlung fand nicht statt. Im folgenden Jahr diagnotizierte ein anderer Hautarzt eine Krebserkrankung des betroffenen Zehs. Da Lunge und Lymphknoten mittlerweile mit Metastasen befallen waren, erlag die Patientin wenige Jahre später den Folgen ihrer Krebserkrankung.

Aktenzeichen: OLG Hamm, 27.10.2015, AZ: 26 U 63/15
Entscheidungsjahr: 2015