Würmer im Darm: Neuer Ansatz zur Bekämpfung

Fadenwurm

Fadenwurm: Hoffnung auf neue Medikamente (Foto: WikiMedia Commons)

Sauerstoffloser Stoffwechsel der Würmer funktioniert als Ansatzpunkt

Toronto – Forscher der University of Toronto  haben zufällig einen neuen Ansatz zur Bekämpfung von Fadenwürmern beim Menschen gefunden. Dieser macht sich zunutze, dass die Parasiten unter bestimmten Bedingungen zu einem sauerstofflosen Stoffwechsel übergehen. Mit geeigneten Substanzen sollte es dann möglich sein, Fadenwürmer abzutöten, ohne den Wirt zu schädigen.

Würmer verändern Stoffwechsel

Das Forscherteam um Andy Fraser testete einen Ansatz, um festzustellen, wie Medikamente sich auf die Bewegung von Caenorhabditis elegans, einem nichtparasitären Nematoden, auswirken. Dieser Wurm wird weltweit von Forschern als Ersatzmodell für Menschen eingesetzt. Ein zufälliges Ergebnis führte jedoch dazu, dass dieser Laborwurm stattdessen als Modell für die Parasiten eingesetzt wurde.

Als erstes wurde Zyanid getestet, da seine Wirkung bekannt ist und die Forscher sicherstellen wollten, dass der Ansatz funktioniert. Zyanid blockiert die Atmung und führte bei den Würmern wie erwartet rasch zu einer Lähmung. Die Würmer starben jedoch nicht. Als das Zyanid 24 Stunden später ausgewaschen wurde, wanden sich die Würmer, als wäre nichts geschehen. Laut Samantha Del Borrello taten diese Würmer eindeutig etwas, dass sich von der Atmung anderer Tiere unterschied.

Energie ohne Sauerstoff

Es zeigte sich, dass das Zyanid die Würmer dazu brachte, zu einer anderen unüblichen Form des Stoffwechsels überzugehen. Dabei entsteht Energie ohne Sauerstoff. Diese Art eines anaeroben Stoffwechsels ist bei parasitären Würmern bereits bekannt. Der ermöglicht ihnen, lange ohne Luft im Darm zu überleben. Anstelle von Sauerstoff nutzen sie dabei das Molekül Rhodochinon (RQ). Menschen produzieren jedoch kein RQ. Damit ist Rhodochinon das perfekte Ziel für die Entwicklung neuer Medikamente.

Derzeit testet Del Borello tausende Wirkstoffe, um Kandidaten zu finden, die C. elegans abtöten, wenn er RQ nutzt. Es gibt bereits einige vielversprechende Kandidaten, die in einem nächsten Schritt an Tieren wie Mäusen und Schafen getestet werden, bevor dann Studien mit Menschen folgen. Bereits ein Medikament für Nutztiere würde Einsparungen in Höhe von Milliarden Dollar bringen. Infektionen mit Parasiten stellen auch in diesem Bereich eine große Belastung dar und führen zu einer Verringerung der Produktivität. Die Forschungsergebnisse wurden in „eLife“ veröffentlicht.

Weltweites Problem

Parasiten führen weltweit zu einer großen Gesundheitsbelastung. Mehr als eine Mrd. Menschen, davon 880 Mio. Kinder, sind laut der Weltgesundheitsorganisation mit Fadenwürmern im Darm infiziert. Dazu gehören Spul-, Haken- und Bandwürmer. Diese Infektionen sind vor allem in Entwicklungsländern aufgrund des Mangels an sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen weit verbreitet. Unbehandelt können diese Erkrankungen bleibende Spuren hinterlassen und sogar tödlich sein.

Quelle: pressetext.com