Schlaflosigkeit verstärkt Suizidgedanken

Schlaftabletten

Schlaftabletten bieten Hilfe bei Depressionen (Foto: pixelio.de, BloodyMary)

Gezielte Verabreichung von Tabletten zum erleichterten Einschlafen helfen Betroffenen effektiv

Augusta – Schlaflosigkeit verstärkt Suizidgedanken. Vor allem Patienten, die unter einer schweren Form der Krankheit leiden, könnten laut einer Studie unter der Leitung des Medical College of Georgia at Augusta University  von der Einnahme eines Sedativums profitieren. Durch die Behandlung der Schlafstörungen verringern sich laut den Forschern auch die Suizidgedanken.

Keine negativen Gedanken

Bereits mehr als 30 Studien haben einen Zusammenhang zwischen Schlaflosigkeit und Suizidgedanken hergestellt. Das Suizidrisiko und die Prävention werden laut dem leitenden Forscher Vaughn McCall jedoch bei der Behandlung von Schlaflosigkeit zumeist nicht berücksichtigt. Bei der „REST-IT“-Erhebung handelt es sich laut dem Experten um die erste, die im Rahmen einer klinischen Studie untersucht hat, ob eine gezielte Behandlung der Schlaflosigkeit das Suizidrisiko der Betroffenen verringern kann.

Die in „The American Journal of Psychiatry“ veröffentlichten Ergebnisse plädieren jedoch nicht für eine routinemäßige Verschreibung von Schlafmitteln zur Entschärfung der Schwere der Suizidgedanken. Sie legen vielmehr nahe, dass die gemeinsame Verschreibung von Schlafmitteln und Antidepressiva, zumindest zu Beginn ihrer Einnahme, für Patienten mit schweren Schlafstörungen und mit Suizidgedanken Vorteile bringen könnten.

103 Personen untersucht

An der Studie haben 103 Personen zwischen 18 und 65 Jahren teilgenommen. Alle litten unter schweren Depressionen, Schlaflosigkeit und Suizidgedanken. 30 Prozent hatten bereits einmal versucht, sich das Leben zu nehmen. Patienten mit einem aktiven und bevorstehenden Plan einer Selbsttötung wurden aufgrund von Sicherheitsbedenken von der Teilnahme ausgeschlossen. Entscheidend dafür war laut McCall, dass es sich um eine ambulante Studie handelte.

Alle Teilnehmer nahmen während der acht Wochen dauernden Studie Antidepressiva ein. Die Hälfte erhielt zusätzlich zur Schlafenszeit Zolpidem. Zusätzlich füllten die Teilnehmer regelmäßig Berichte zum Ausmaß ihrer Schlaflosigkeit aus. Während der Behandlung führten sie täglich auch ein Schlaftagebuch. Zu den gesammelten Informationen gehörten Details zur Häufigkeit des Aufwachens in der Nacht und wie lange sie tatsächlich geschlafen hatten.

Die Forscher beurteilten zusätzlich auch verzerrte Gedankenmuster zum Thema Schlaf. Dazu gehörten Gedanken, wie dass sie nie wieder eine Nacht durchschlafen würden. McCall hat bereits in der Vergangenheit nachgewiesen, dass diese Gedanken an sich einen Risikofaktor für Suizid darstellen können. Ebenso wurde ermittelt, wie häufig und wie intensiv belastende Träume oder Alpträume auftraten, die in diesem Bereich ebenfalls als Risikofaktoren gelten.

Umfangreiche Tests durchgeführt

Die Patienten trugen am Handgelenk ein Gerät, dass ihre Ruhe- und Aktivitätszyklen aufzeichnete. Die Schwere der Depressionen wurde bei jedem Studienbesuch von Fachpersonal beurteilt. Die Teilnehmer absolvierten zudem die „Beck Hopelessness Scale“. Dieses Testverfahren dient der Feststellung von Pessimismus und negativen Erwartungen. Es wird häufig zur Vorhersage von suizidalem Verhalten bei Erwachsenen herangezogen.

Jene Studienteilnehmer, die eine Schlafhilfe erhalten hatten, wiesen unmittelbar und langfristig Verbesserungen bei der Schwere der Schlaflosigkeitssymptome auf. Beide Gruppen berichteten von deutlichen Verbesserungen bei dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit, Lebensqualität, Alpträumen und verzerrten Gedankenmustern über den Schlaf sowie bei der damit in Verbindung stehenden Schlaflosigkeit und Suizidalität.

Bei der Gruppe mit der Schlafhilfe verringerten sich die Selbstmordgedanken weiter. Die Schlafmittel erwiesen sich bei der Reduzierung der Selbstmordgedanken laut den Experten bei Patienten mit der schwersten Schlaflosigkeit als am hilfreichsten. Während der Laufzeit der Studie kam es zu keinen Todesfällen oder Selbstmordversuchen der Teilnehmer.

Quelle: pressetext.com