Junge Männer erzählen mehr „Bullshit“

Junge Männer

Junge Männer: Sie neigen laut Studie eher zum „Bullshitting“ (Foto: ucl.ac.uk)

Männliche Jugendliche täuschen eher Wissen zu Themen vor und geben sich selbstbewusster

London – Junge Männer neigen eher zum sogenannten „Bullshitting“ als junge Frauen. Das besagt eine aktuelle Studie von Forschern des University College London. Der Terminus bezeichnet eine Situation, in der jemand vorgibt, mehr Wissen, Erfahrung oder Expertise zu einem Thema zu haben, als er tatsächlich hat. Für die Studie wurden etwa 40.000 Probanden im Alter von 15 Jahren aus neun verschiedenen englischsprachigen Ländern befragt.

Tests mit Fake-Konzepten

Das Team hat den Probanden 16 mathematische Konzepte vorgelegt und sie dazu gefragt, ob sie mit ihnen vertraut sind. Dabei waren drei der Konzepte frei erfunden. Laut Studienautor John Jerrim neigten die männlichen Teilnehmer deutlich eher dazu, Wissen vorzutäuschen. Das treffe auf alle neun Länder zu, obwohl der Geschlechterunterschied in den USA geringer sei als in Europa.

Laut der Studie neigen Jugendliche aus den USA und Kanada im Vergleich zu den anderen untersuchten Ländern am meisten zum Bullshitting. Am wenigsten zeigte sich dieses Verhalten bei Probanden aus Irland, Nordirland und Schottland. Den Forschern zufolge ist es überraschend, dass Jugendliche aus ähnlichen Kulturkreisen mit der gleichen Sprache in dieser Hinsicht unterschiedliche Neigungen haben. Es soll in künftigen Studien untersucht werden, woher dieses Verhalten kommt. Vor allem soziale und wirtschaftliche Faktoren sollen hier im Fokus liegen.

Psychologe Michael Thiel  gegenüber pressetext: „Man steht im Alter von 15 Jahren mitten in der Pubertät, was ein schwankendes Selbstwertgefühl und ein unsicheres Selbstbild bedeutet.“ Das führe dazu, dass sich Jugendliche besser präsentieren als sie sich fühlen. Jungen geben sich überzeugt, Probleme selbst lösen zu können und selbstsicher zu sein. „Sie haben ein bestimmtes Bild davon, wie ein Mann zu sein hat. Hier geht es um soziale Erwünschtheit“, meint Thiel.

Geschlechterrollen prägen

Laut Thiel sind Mädchen oft realistischer und reflektierter. Trotz aller Bemühungen bei der Gleichberechtigung haben junge Frauen eher das Gefühl, sie dürfen unsicherer sein und um Hilfe bitten. „Wir sehen hier immer noch die Auswirkungen von alten Geschlechterrollen. Junge Männer leben oft in einer großen Blase von vermeintlichem Selbstbewusstsein. Diese Blase kann aber leicht zerplatzen und Unsicherheiten preisgeben.“

Die Forscher haben auch die Verbindung zwischen Bullshitting und anderen psychologischen Eigenschaften wie Selbstvertrauen untersucht. Für Nikki Shure, die Ko-Autorin der Studie, haben Bullshitter oft ein höheres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Diese Jugendlichen geben auch eher an, sie würden bei einer schwierigen Aufgabe nicht das Handtuch werfen.

Jugendpsychologin Silvia Rauhofer  sieht es für möglich, dass es Jugendlichen sogar hilft, wenn sie sich vorgaukeln, sie könnten etwas gut. Wenn ihnen dabei niemand widerspricht oder sie zufällig Recht haben, kann dadurch das Selbstwertgefühl steigen. „Es fragt sich nur, wie lange dieser Effekt anhält“, so Rauhofer. Bei den Geschlechtern sei der Kontext entscheidend. Beispielsweise werde Männern nachgesagt, sie seien bei der Mathematik begabter. Es könne auch Bereiche geben, wo Mädchen mehr Selbstvertrauen haben.

Quelle: pressetext.com