Hörgerät schützt im Alter vor Demenz und Angst

Hörgerät

Hörgerät: Das kann eine große Hilfe für Senioren sein (Foto: pixelio.de, Grey59)

Wissenschaftler der University of Michigan haben Daten von 115.000 US-Patienten ausgewertet

Ann Arbor – Ältere Erwachsene, die aufgrund eines neu diagnostizierten Hörverlusts ein Hörgerät erhalten, verfügen laut einer Studie der University of Michigan  in den nächsten drei Jahren über ein geringeres Risiko, erstmals an einer Demenz, Depressionen und Angststörungen zu erkranken. Zusätzlich sinkt im Vergleich zu Personen, bei denen der Hörverlust nicht behandelt wird, auch das Risiko von Verletzungen durch Stürze.

Personen über 66 untersucht

In den USA erhalten jedoch nur zwölf Prozent der Patienten, bei denen ein Hörverlust diagnostiziert wurde, auch ein Hörgerät. Das ist laut der Studie auch dann der Fall, wenn sie über eine Krankenversicherung verfügen, die zumindest einen Teil der Kosten übernimmt. Zudem wird eine Lücke bei der Nutzung von Hörgeräten bei Personen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen, geografischer Lage und Geschlecht offensichtlich.

Für die Analyse wurden die Daten von fast 115.000 Personen über 66 Jahren ausgewertet. Sie verfügten über die Diagnose eines Hörverlusts und waren zwischen 2008 und 2016 über die Health Maintenance Organization (HMO) krankenversichert. Dabei handelt es sich in den USA um eine Sonderform von Versicherungen für ältere Menschen, die aufgrund ihrer finanziellen Bedürftigkeit über Medicare  medizinisch versorgt werden.

Anders als bei der normalen Versicherung durch Medicare übernimmt die HMO einen Teil der Kosten für Hörgeräte. Laut Forschungsleiterin Elham Mahmoudi bestätigen die im „Journal of the American Geriatrics Society“ veröffentlichten Ergebnisse Untersuchungen. Neu sei jedoch die Erkenntnis, dass die Unterschiede erst im Lauf der Zeit aufträten.

Deutliche Ungleichbehandlung

Die analysierten Daten zeigen, dass Männer mit einem Hörverlust eher ein Hörgerät erhalten. Bei Patienten waren es 13,3 Prozent, bei Patientinnen 11,3 Prozent. Nur 6,5 Prozent der Personen mit familiären Wurzeln in Lateinamerika erhielten eine entsprechende medizinische Versorgung. Bei Afroamerikanern lag dieser Wert bei 9,8 Prozent, bei Weißen bei 13,6 Prozent. Fast 37 Prozent der Betroffenen, die im nördlichen Zentralraum der USA leben, nutzen ein Hörgerät. In den Mountain States lag dieser Wert bei 5,9 Prozent. Dabei handelt es sich um jene Bundesstaaten, durch die die Gebirgskette der Rocky Mountains verläuft.

Die Forscher haben auch untersucht, wie es den Patienten mit einem Hörgerät in den nächsten drei Jahren erging. Dabei zeigten sich im Vergleich zu nicht behandelten Personen deutliche Unterschiede. Insgesamt war das relative Risiko einer Demenzdiagnose inklusive Alzheimer um 18 Prozent niedriger. Das Risiko von Depressionen oder Angststörungen war am Ende der drei Jahre um elf Prozent niedriger. Das Risiko von mit einem Sturz in Verbindung stehenden Verletzungen verringerte sich ebenfalls um 13 Prozent.

Quelle: pressetext.com