Herz-Forschung noch immer männlich dominiert

Ärztin

Ärztin: Frauen in der Forschung unterrepräsentiert (Foto: pixabay.com/waldryano)

Analyse belegt deutlich: Wissenschaftlerinnen führen auch zu mehr Studienteilnehmerinnen

Philadelphia – Frauen sind im Bereich der führenden Forschung zu fortgeschrittener Herzinsuffizienz und Transplantationskardiologie laut einer Studie von Penn Medicine  weiter unterrepräsentiert – und das, obwohl rund ein Viertel der Mediziner und Forscher, die in den Bereichen arbeiten, weiblich sind. Details wurden in „Circulation: Heart Failure“ publiziert.

Kaum Seniorautorinnen

Laut der Analyse sind weniger als 20 Prozent der Erstautoren von Manuskripten, die zitiert wurden, um die höchsten Empfehlungen bei der Behandlung von Herzinsuffizienz zu unterstützen, Frauen. Weniger als 15 Prozent der Seniorautoren waren Frauen. Nur 16 Prozent der gegenwärtigen klinischen Studien zu Herzinsuffizienz hatten eine Frau als Erst- oder Seniorautorin. Trotz des Mangels an Repräsentanz bei der Autorenschaft verfügen klinische Studie mit einem höheren Anteil an Autorinnen auch über eine größere Anzahl an Teilnehmerinnen. Das entspricht der langfristigen Priorität von Bundesbehörden zur Erhöhung des Frauenanteils bei klinischen Studien.

Laut der Forschungsleiterin Nosheen Reza kann die Diversität bei der Autorschaft einen Schneeballeffekt im ganzen Bereich auslösen, nicht nur bei der Verbesserung der Gleichstellung der Geschlechter in der Herz-Kreislauf-Medizin, sondern vielleicht auch bei der Verringerung der Unterrepräsentation von Frauen in klinischen Studien. „Aus vielen Gründen achten Institutionen jetzt auf die Verbesserung der Diversität, Inklusion und Fairness. Unsere Studienergebnisse sind Benchmarking-Daten, die Organisationen nutzen und auf denen sie aufbauen können“, unterstreicht Reza.

Die Forscher identifizierten Autoren von Publikationen, referenziert in sogenannten Empfehlungen der Klasse I – die die stärksten klinischen Richtlinien und Empfehlungen umfassen – in den USA (173) und europäischen Richtlinien (100) sowie von Publikationen von Studien mit mehr als 400 Teilnehmern, die zwischen 2001 und 2016 publiziert wurden (118). Nachdem das Geschlecht der Autoren mittels einer multinationalen Datenbank und einem Name-Matching-Algorhythmus festgestellt wurde, untersuchten die Forscher die Muster bei der Autorschaft. Dabei lag der Fokus auf jenen, die die Studien geleitet hatten.

Niedrige Prozentsätze

Im Durchschnitt lag der Gesamtanteil von Frauen als Erstautorinnen von referenzierten Publikationen in den Richtlinien zur Behandlung einer Herzinsuffizienz bei 18 Prozent. Bei den europäischen Richtlinien lag dieser Wert bei 16 Prozent. Bei den Letztautoren war der Prozentsatz bei 13 respektive zwölf Prozent. Zwischen 1986 und 2016 erhöhte sich der Prozentsatz von Autorinnen bei Richtlinienzitationen leicht. Die Anteile der Frauen als Erst- oder Letztautoren bei klinischen Studien zur Herzinsuffizienz veränderte sich im Lauf der Zeit nicht wesentlich. Nur 16 Prozent der untersuchten Studien verfügten über eine Frau als Erst- oder Seniorautor. Studien mit einer Erst- oder Seniorautorin standen mit einem höheren Anteil an Teilnehmerinnen in Zusammenhang. Der Prozentsatz lag bei 39 versus 26 Prozent.

Der Grund für dieses Phänomen ist laut Reza noch immer unbekannt. Es sei jedoch klar, dass Repräsentation eine wichtige Rolle für die Verbesserung der Pflege für Frauen spiele. „Eine unserer Hypothesen geht davon aus, dass Frauen wahrscheinlicher an einer klinischen Studie teilnehmen, wenn sie wissen, dass sie von einer Forscherin durchgeführt wird. Eine andere Möglichkeit ist, dass Forscherinnen eher Patientinnen für die Teilnahme überweisen.“

Quelle: pressetext.com