Chatbot senkt Opioidkonsum nach einer OP

Opioide

Opioide: Neues Tool gegen Abhängigkeit erforscht (Foto: unsplash.com, Halacious)

Personalisierte Nachrichten haben Einnahme in wissenschaftlicher Studie um 37 Prozent gesenkt

Philadelphia – Patienten, die nach schweren Knochenbrüchen eine OP benötigen, nehmen laut einer Studie von Penn Medicine  nach dem Eingriff weniger Opioide, wenn sie an ihre Werte erinnert werden. Diese Erinnerungen müssen laut den Forschern nicht unbedingt von einem Arzt kommen. Laut Forschungsleiter Christopher Anthony lässt sich die Einnahme bei einer gefährdeten Patientenpopulation mittels Psychotherapie via Chatbots um mehr als ein Drittel verringern.

76 Patienten aufgeteilt

Obwohl Opioide für die Behandlung der Schmerzen aufgrund einer Verletzung wie einem gebrochenen Bein oder Arm angemessen sein können, gibt es Bedenken, dass die groß angelegte Verschreibung für viele Menschen auch den Weg in die Abhängigkeit bedeutet. Laut den Forschern könnte ein patientenzentrierter Ansatz zur Verringerung der Opioide-Epidemie beitragen.

Um den Ansatz zu testen, wurden 76 Patienten, die in einem Level-1-Trauma Center der University of Iowa Hospitals & Clinics für Knochenbrüche behandelt und operiert worden waren, nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe erhielt die gleiche Verschreibung eines Opioids gegen die Schmerzen. Nur eine Gruppe nahm an einem Programm mit täglichen SMS teil. Diese Gruppe erhielt nach dem Eingriff zwei Wochen lang jeden Tag zwei Nachrichten auf dem Handy. Verschickt wurden sie von einem automatisierten Chatbot, einem Computer, der Künstliche Intelligenz für das Versenden von Nachrichten nutzt. Die ersten Nachrichten wurden am Tag nach der OP verschickt.

Diese Nachrichten halten nicht direkt von der Einnahme der Tabletten ab. Entwickelt wurden sie von einem auf Schmerzen spezialisierten Psychologen, der auf Akzeptanz- und Commitment-Therapie setzt und Gedanken zur Einnahme der Schmerzmittel weglenken. Jede Nachricht entfiel auf eine von sechs Kernprinzipien: Werte, Akzeptanz, Bewusstsein des Augenblicks, Selbst als Kontext, engagiertes Handeln und Abstand.

Psychologische Beeinflussung

„Das Empfinden von Schmerz und Gefühlen über diese Erfahrung sind nach einer OP normal. Erkenne und akzeptiere diese Gefühle als Teil des Heilungsprozesses. Denk daran, dass diese Gefühle vorübergehen und die Heilung fortschreiten wird. Erinnere Dich an angenehme Gefühle und Gedanken, die Du heute gehabt hast“, lautet eine SMS-Botschaft. Eine andere Nachricht könnte einen Patienten dazu anregen, auf ein Lebensziel hinzuarbeiten, auch wenn er im Augenblick Schmerzen hat.

Insgesamt nahmen Patienten, die keine Nachrichten erhielten, nach der OP durchschnittlich 41 Opioid-Tabletten. Die Gruppe, die regelmäßig vom Chatbot kontaktiert wurde, kam mit 26 Tabletten aus. Das entspricht einem Unterschied von 37 Prozent. Außerdem berichteten sie nur zwei Wochen nach dem Eingriff von weniger Schmerzen.

Wesentlich ist, dass die Botschaften, die jeder Patient erhielt, nicht auf die individuelle Persönlichkeit abgestimmt war. Diese Art von Wirksamkeit konnte beobachtet werden, ohne dass die Nachrichten allzu sehr personalisiert waren. In Kombination mit dem Einsatz eines Chatbots anstelle einer menschenintensiven Maßnahme könnte dieser Ansatz eine kostengünstige, wenig arbeitsintensive Möglichkeit sein, bei orthopädischen und anderen OP vor einer Opioid-Abhängigkeit zu schützen. Die Ergebnisse wurden im „Journal of Medical Internet Research“ veröffentlicht.

Quelle: pressetext.com