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Haftungsrisiko bei Übernahme der Aufklärung über eine OP; die ein anderer Arzt empfohlen hat und durchführen wird?


Ein Arzt-Kollege hat eine Operation angeraten, die er auch durchführen will. Er hat mich gebeten, den Patienten - zusätzlich - über die OP aufzuklären. Ich frage mich, wie weit meine Aufklärungspflicht geht - und ob ich bei einer unzureichenden Aufklärung in der Haftung stehe.

Rechtsanwalt Godehard Diep antwortet:
Wenn ein Arzt gegenüber einem Patienten nur die Aufklärung über eine OP vornimmt, die ein anderer Arzt empfohlen hat und durchführen will, so kann er dennoch zur Haftung bei einer fehlerhaften Aufklärung herangezogen werden. Denn mit der Aufklärung übernimmt der Arzt einen Teil der ärztlichen Behandlung.
Die übernommene Aufklärungspflicht bezieht sich dann auch nicht nur auf die allgemeinen Risiken der OP, sondern auch auf die Risiken der OP und möglicher Behandlungsalternativen. Dies gilt erst recht, wenn die geplante OP mit hohem Risiko verbunden ist und die Indikation zweifelhaft erscheint.
Zu einer anderen Beurteilung kann es nur kommen, wenn der Patient nach den Umständen nur von einer allgemeinen Aufklärung des Arztes ausgehen konnte.

Aktenzeichen: BGH, 21.10.2014, AZ: VI ZR 14/14

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