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VDGH: Antibiotikaresistenzen bleiben gesellschaftliche Herausforderung


Berlin - „Der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen erfolgt über Grenzen hinweg", sagte VDGH-Vorstandschef Matthias Borst zum Auftakt der öffentlichen Mitgliederversammlung des VDGH. „Die Gefahren sind von der Politik erkannt, jetzt ist es Zeit, sektorenübergreifend Taten folgen zu lassen", sagte Borst. 

Die Diagnostika-Industrie ist ein wichtiger Partner, wenn es darum geht, multiresistenten Keimen wirksam zu begegnen. Sie investiert allein 11 Prozent ihres jährlichen Umsatzes in die Forschung und Entwicklung neuer diagnostischer Methoden und Technologien. Ein Schwerpunkt ist die Entwicklung patientennaher Tests, die in der Hausarztpraxis eine schnelle und wichtige Entscheidungshilfe darstellen, ob eine Antibiotikaverordnung erforderlich ist. 90 Prozent des humanen Antibiotikaverbrauchs entfallen auf den ambulanten Bereich.

Vor 130 Gästen aus Politik, Selbstverwaltung, Medizin und Industrie gab Prof. Dr. med. Klaus Heeg, ärztlicher Direktor, Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum Heidelberg, einen Überblick über Diagnostik und rationale Antibiotikatherapie in der Klinik. Er machte deutlich, wie wichtig es ist, bei einer Infektion schnell zu testen, den Keim zu bestimmen und ein Resistenzprofil zu erstellen. „Laborautomation trägt maßgeblich dazu bei, die Ergebniszeiten zu verkürzen", unterstrich Heeg. Das laufende Therapie-Monitoring habe zentrale Bedeutung. Heeg verwies auf Studien aus den Niederlanden, nach der in 75 Prozent der stationären Fälle eine laufende Anpassung der Antibiotikatherapie vorgenommen wird. Dieser Prozess müsse unterlegt sein durch strukturelle Konzepte der Kliniken, die auch die Autorität von Hygienikern und Mikrobiologen stärkten.

Neben der Bedeutung moderner Labordiagnostik wurde auch der Verschreibungsdruck, der vielfach auf Ärzten lastet, von den Experten diskutiert. Auf Information und Aufklärung setzt das Modellprojekt RESIST der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des Ersatzkassenverbandes (vdek). Ute Leonhardt (vdek) und Dr. Bernhard Gibis (KBV) stimmten darüber ein, das derzeit aus dem Innovationsfonds geförderte Projekt solle in die Regelversorgung übernommen werden. Voraussetzung seien positive Ergebnisse der Begleitevaluation. Dem schloss sich Heiko Rottmann-Großner, Leiter der Unterabteilung „Übertragbare und nicht übertragbare Krankheiten, Gesundheitssicherheit" im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), an. „Der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen ist auch ein Auftrag des Koalitionsvertrages. Bis 2019 wollen wir weitere Resultate vorlegen", sagte der BMG-Vertreter. Die stärkere Einbindung der Pflegeberufe werde derzeit im Ministerium geprüft.

VDGH-Vorstandschef Matthias Borst betonte die Bereitschaft der Industrie, sich mit ihrem Know-how partnerschaftlich zu beteiligen. Er regte an, die Industrie mit an den runden Tisch zu holen, um konkrete Lösungsansätze zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen voranzutreiben.

Der VDGH vertritt als Wirtschaftsverband die Interessen von 100 Unternehmen der Diagnostika- und der Life-Science-Research-Industrie. Sie stellen Untersuchungssysteme und Reagenzien zur Diagnose menschlicher Krankheiten her bzw. Instrumente, Reagenzien, Testsysteme und Verbrauchsmaterialien für die Forschung in den Lebenswissenschaften. Beide Branchen zusammen erwirtschaften einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro in Deutschland.

Quelle: Gabriele Köhne Leiterin Presse und Kommunikation
VDGH - Verband der Diagnostica-Industrie e. V.
E-Mail: koehne@vdgh.de 
Internet: www.vdgh.de

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