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Narkose bei Kleinkindern mindert Intelligenz nicht

Wissenschaftliche Studie weist aber Auswirkungen auf Feinmotorik nach

Narkose: meist mehr Nutzen als Schaden

Rochester - Forscher der Mayo Clinic  haben keine Beweise dafür gefunden, dass Kinder, die vor dem dritten Lebensjahr eine Narkose erhalten, über einen niedrigeren IQ verfügen. Ein komplexeres Bild zeigt sich allerdings bei Personen, die als Kleinkinder mehrmals eine Narkose bekamen. Obwohl ihre Intelligenz vergleichbar ist, schneiden sie bei Tests zu feinmotorischen Fähigkeiten etwas schlechter ab. Ihre Eltern berichteten zusätzlich eher von Verhaltens- und Lernproblemen.

Ohren-, Nasen- und Hals-OPs

Die U.S. Food and Drug Administration  hat bereits 2016 davor gewarnt, das eine länger dauernde oder wiederholte Sedierung vor dem dritten Lebensjahr Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns haben kann. Diese Warnung basierte großteils auf Daten von Tieren. Sie können auf Kinder zutreffen oder auch nicht.

Die Forscher untersuchten 997 Personen, die zwischen 1994 und 2007 in Olmsted County im US-Bundesstaat Minnesota geboren wurden. Die Studienteilnehmer wurden entsprechend ihrer Erfahrungen mit Narkosen vor dem dritten Lebensjahr in Gruppen aufgeteilt: 206 hatten zwei oder mehr, 308 eine und 411 keine. Eingriffe an Ohren, Nase und Hals gehörten zu den häufigsten OPs. Für die Beurteilung von Verhalten und Gehirnfunktion wurden Daten des Rochester Epidemiology Project, Tests der Gehirnfunktion im Alter von acht bis zwölf Jahren oder 15 bis 20 Jahren sowie die Berichte der Eltern ausgewertet. Zusätzlich wurde darauf geachtet, dass die drei Patientengruppen so ähnlich wie möglich waren .

Probleme bei exekutiven Funktionen

Intelligenz, Gedächtnis und andere Bereiche der Gehirnfunktion waren bei den Gruppen ähnlich. Teilnehmer mit meheren Narkosen verfügten aber über einen leichten Rückgang bei der Feinmototik, wie der Fähigkeit, Figuren mit einem Bleistift zu zeichnen oder bei der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung beim Lesen. Ihre Eltern berichteten von Verhaltens- und Lernproblemen, wie Schwierigkeiten beim Lesen. Zusätzlich kam es zu Verhaltensweisen, die dem Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) entsprechen, wie dem Brechen von Regeln, Aggressionen, Angst oder sozialem Rückzug.

Eltern, deren Kinder einmal vor dem dritten Lebensjahr eine Narkose hatten, berichteten über mehr Probleme bei exekutiven Funktionen, jenen Fähigkeiten, die bei Gedächtnis, Impulskontrolle, Planen und Flexibilität in Verbindung stehen. Das galt jedoch nicht bei anderen Verhaltensweisen. Laut Forschungsleiter David Warner sind die in "Anesthesiology" veröffentlichten Ergebnisse für den Großteil der operierten Kinder insgesamt beruhigend. "Rund 80 Prozent der Kinder unter drei Jahren, die operiert werden, brauchen nur eine relativ kurze Narkose." Mehrere andere Studien haben laut Warner wenige Belege dafür geliefert, dass eine einzelne Narkose mit einem nachhaltigen Schaden in Verbindung steht. In den meisten Fällen seien die Vorteile einer Operation größer als die Risiken.

Quelle: www.pressetext.com, Foto: pixelio.de, Dieter Schütz

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