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Wundinfektionen bei Penicillin-Allergie häufiger

Medikament wird jedoch vom Großteil der Patienten gut vertragen

OP-Besteck: Penicillin-Allergie problematisch

Boston - Bei OP-Patienten, von denen angenommen wurde, dass sie gegen Penicillin allergisch sind, traten deutlich eher Wundinfektionen auf als bei Patienten ohne Allergie. Dieser Unterschied ist laut Forschern des Massachusetts General Hospital (MGH)  auf den Einsatz alternativer Antibiotika zur Verminderung derartiger Infektionen zurückzuführen.

Deutlich höhere Kosten

Laut Forschungsleiterin Kimberly Blumenthal hat die neue Studie eine direkte klinische Bedeutung. "Wir wissen bereits, dass mehr als 95 Prozent der Patienten, die glauben, gegen Penicillin allergisch zu sein, dieses Medikament durchaus vertragen. Eine Überprüfung vor der OP könnte daher das Auftreten von Wundinfektionen bei deratigen Patienten verringern."

Den Studienautoren nach treten 40 Prozent der mit der medizinischen Versorgung in Zusammenhang stehenden Infektionen bei Krankenhauspatienten im Zuge von Operationswunden auf. Derartige Infektionen können zu Komplikationen und sogar zum Tod führen. Sie erhöhen auch die Kosten der Gesundheitsversorgung. Die Behandlung einer durchschnittlichen Infektion überschreitet 25.000 Dollar, rund 21.000 Euro.

Zusätzlich wird die Wahrnehmung der Patienten zur Qualität der erhaltenen Pflege beeinflusst. Das wiederum kann sich auf die Krankenhausfinanzierung auswirken. Angenommene Penicillin-Allergien wurden bereits in der Vergangenheit mit einem erhöhten Auftreten von Infektionen in Zusammenhang gebracht. Bisher wurden laut den Studienautoren jedoch noch nie die potenziellen Auswirkugen auf Wundinfektionen bei Operationen untersucht.

Verabreichte Antibiotika

Die Forscher haben die Krankenakten von fast 8.400 Patienten des MGH analysiert, bei denen Eingriffe wie der Ersatz eines Hüft- oder Kniegelenks, eine Darm- oder eine Bypass-OP durchgeführt wurden. Die Daten umfassten den Zeitraum von 2010 bis 2014. So hatten 922 Patienten eine Penicillin-Allergie angegeben. Das entspricht dem Anteil in der allgemeinen Bevölkerung. Bei 214 Patienten kam es zu einer Wundinfektion. Sie trat bei 3,5 Prozent jener auf, die eine Pencillin-Allergie angegeben hatten und bei 2,6 Prozent ohne Allergie.

Nachdem Faktoren wie Alter, Geschlecht, Rasse sowie Art und Dauer der OP berücksichtigt worden waren, zeigte sich, dass das Risiko einer Wundinfektion bei Patienten mit einer angenommenen Penicillin-Allergie um 50 Prozent höher lag. Der einizige Faktor, der eindeutig mit dem Infektionsrisiko in Zusammenhang stand, war die Art der verabreichten Antibiotika.

Die Überprüfung der vorhandenen Infos über die Reaktionen, die zu den Allergiediagnosen geführt hatten, ergab, dass fast bei fast allen ohne Probleme Standardtests auf eine Allergie möglich gewesen wären. Nur bei einem von fünf Patienten lag eine derartig schwere Überempfindlichkeit vor, dass Tests ausgeschlossen waren.

Die Richtlinien zur Behandlung von Patienten mit dokumentierter Penicillin-Allergie schreiben vor, dass sie kein Cefazolin erhalten, wie beim Antibiotikum, das sonst standardmäßig zur Verhinderung von Wundinfektionen nach Operationen eingesetzt wird. Diese Patienten erhalten in der Folge häufig Medikamente wie Clindamycin, Vancomycin oder Gentamicin. Bei ihnen ist bekannt, dass sie zur Behandlung dieser Infektionen weniger wirksam sind.

Quelle: www.pressetext.com, Foto: pixelio.de, Michael Bührke

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