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Schlüssel zur Heilung Multipler Sklerose im Darm

Verstärkt auftretende Bakterien lösen Entzündungen bei Patienten aus

Sergio Baranzini mit seiner Kollegin im Labor

San Francisco - Mikroorganismen im Darm haben einen Einfluss auf den Verlauf von Multipler Sklerose (MS), sagen Forscher der University of California (UCSF). Speziell geht es um die Zerstörung von Gehirnzellen. Die Autoren der Studie erwarten, dass sie jetzt die Ursachen für MS herausfinden, um dann Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Bisher fehlt es an beidem.

2,5 Mio. Betroffene weltweit

"Es sind zwar schon Gene gefunden worden, die im Verdacht stehen, MS auszulösen", sagt Sergio Baranzini, Professor für Neurologie an der UCSF, der die Forschungsarbeiten leitet. "Aber ich war nie mit der nur vagen Möglichkeit zufrieden, das Risiko abzuschätzen." Es sei klar, dass die Gene mitverantwortlich sind. "Doch Umweltfaktoren müssen ebenfalls eine bedeutende Rolle spielen." Rauch- und Essgewohnheiten könnten einen Einfluss haben. Aber es sei schwer, einen ursächlichen Zusammenhang herzustellen.

Weltweit leiden rund 2,5 Mio. Menschen an MS. Sie verlieren die Fähigkeit zu sehen, fühlen sich schwach, zittern und haben zunehmend Probleme mit der Koordination ihrer Körperteile und auch der Balance. Es handelt sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Das körpereigene Abwehrsystem, das Krankheitserreger bekämpfen soll, wendet sich gegen den eigenen Körper und beginnt, Gehirnzellen zu zerstören. Die Ursache dieser fatalen Fehlentwicklung ist noch unbekannt.

71 MS-Patienten untersucht

Früheren Studien nach haben Darmbakterien einen großen Einfluss auf das Verhalten der Körperabwehr. Doch bisher hat niemand im Zusammenhang mit MS das Mikrobiom ins Visier genommen. Die UCSF-Forscher haben im Vorfeld der jetzt veröffentlichten Studie die Mikrobiome von 71 MS-Patienten und einer ebenso großen gesunden Kontrollgruppe genauer untersucht. Sie fanden heraus, dass bestimmte Bakterien bei Kranken besonders zahlreich sind, bei Gesunden hingegen nicht.

In langen Tests, in denen die Forscher die verdächtigen Bakterien im Labor untersucht haben, entdeckten sie, dass die bei MS-Patienten verstärkt auftretenden Mikroorganismen Akkermansia muciniphila und Acinetobacter calcoaceticus Entzündungen auslösen. Bei den Kranken fehlte dagegen das Bakterium Parabacteroides distasonis, das eine Immunantwort des Körpers auslöst. Mäuse, die mit dem Mikrobiom von MS-Patienten infiziert wurden, verloren die Fähigkeit zur Immunantwort beim Eindringen von Krankheitserregern. "Wir glauben nicht, dass das Mikrobiom der einzige Auslöser für MS ist. Aber es sieht so aus, dass dieses Mikrobiom den Krankheitsverlauf beschleunigen oder verlangsamen kann."

Quelle: www.pressetext.com, Foto: Steve Babuljak, UCSF

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