Impfpflaster

Impfpflaster

Das Impfpflaster aus den USA muss zwanzig Minuten auf der Oberseite des Handgelenks einwirken. © Rob Felt, Georgia Tech

ATLANTA / SYDNEY. Die schmerzlose Impfung mit einem Pflaster hat sich in Tests bei Menschen als sicher und immunogen gezeigt. Ein solches Spezialpflaster für die Influenza-Impfung hatten bereits vor zwei Jahren Forscher vom Emory Vaccine Center an der Emory University in Atlanta im US-Staat Georgia vorgestellt (Lancet 2017; 390: 649).

Dieses ist mit 100 Mikronadeln mit einer Länge von 0,65 Millimetern bestückt und muss zwanzig Minuten auf das Handgelenk einwirken. Der Impfstoff gelangt dabei über die Nadeln durch das Stratum corneum in die Epidermis.

In einer Phase-I-Studie mit 100 erwachsenen Probanden sind Sicherheit, Akzeptanz und Immunogenität des Pflasters geprüft worden. Ein trivalenter Grippe-Impfstoff wurde dabei entweder injiziert oder mit dem Pflaster appliziert und die Wirksamkeit mit Placebo verglichen.

Vergleichbarer Antikörper-Titer

Das Pflaster erwies sich als immunogen: Nach der Impfung in der Grippesaison 2014/15 erkrankte keiner der Probanden an Influenza. Die Antikörper-Titer gegen die im Impfstoff enthaltenen Virusstämme (A/H1N1, A/H3N2 und B) waren vier Wochen nach Impfung mit dem Pflaster ähnlich hoch wie mit der Injektion, und zwar auch nach Selbst-Applikation.

70 Prozent der Probanden mit dem Pflaster gaben an, diese Art der Applikation zu bevorzugen. Binnen sechs Monaten nach der Pflaster-Impfung gab es keine schweren Nebenwirkungen. Einige Probanden gaben jedoch vorübergehende Impfreaktionen an: Nach den herkömmlichen Injektionen gab es Schmerzen und Druckempfindlichkeit am Oberarm, in der Pflastergruppe Hautrötung, Juckreiz und Druckempfindlichkeit an der Impfstelle.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt jetzt ein Forscherteam der Universität Sydney in Australien, berichtet der Australisch-Neuseeländische Hochschulverbund in einer Mitteilung. Diese haben ein deutlich kleineres Pflaster (micro-projection array patch, MAP) entwickelt, das mit einem Quadratzentimeter Größe kleiner als eine Briefmarke ist. Dieses enthält 5000 in Impfstoff gehüllte Mikronadeln, welche durch das Stratum corneum hindurch die Impfstoffe direkt zu den Hautzellen verfrachten. Das MAP wird mit einem wegwerfbaren Applikator auf die Haut aufgebracht.

Günstig und keine Kühlung notwendig

Der Patch soll von dem australischen Unternehmen Vaxxas vermarktet werden. Das Unternehmen hat 2015 eine von der WHO unterstützte Studie durchgeführt, welche die Verwendung und die Verträglichkeit des Applikators für Impfungen gegen Poliomyelitis in Benin, Nepal und Vietnam untersucht hat. Damit sei das Potenzial des Vaxxas-Pflasters belegt worden.

„Impfstoffe mit dieser Technologie wären im Vergleich zu injizierbaren Impfstoffen sehr viel kostengünstiger und müssten zudem nicht kühl gelagert werden“, wird Cristyn Davies von der Universität Sydney in der Mitteilung zitiert. „Dies wäre ein entscheidender Vorteil in Entwicklungsländern, wo die Kühlkette für Impfstoffe nicht immer gewährleistet ist.“

Davies und ihre Kollegen – Professor Rachel Skinner von der Universität Sydney, Professor Robert Booy von der Sydney Medical School und Professor Behnam Fahimnia von der Sydney Business School – sind mit der Entwicklung des Pflasters betraut. Sie testen die Akzeptanz bei Patienten und Ärzten und erstellen eine Kosten-Nutzen-Analyse. Der Fokus liegt darauf, wie das System von den Nutzern angenommen wird.

Solche innovativen Pflaster könnten die Impfraten verbessern. Denn über zehn Prozent der Bevölkerung lassen sich nach Studien beim Grippeschutz nicht impfen, weil sie sich vor der Nadel fürchten. Ebenso ließen sich damit Infektionen durch Hygienemängel beim Impfen vermeiden. Das Pflaster soll jetzt für Australien entwickelt und vermarktet werden.

Quelle: Ärzte Zeitung